
!n der Nähe von Leopoldstal erstreckt sich das Silberbachtal, zwischen Teutoburger Wald und Eggegebirge. Hier erheben sich die Zwillingskuppen des lippischen und preußischen Velmerstot. Die Wandertour offenbart vielfältige Landschaften: raue Sandsteinfelsen, atemberaubende Panoramen und ein wilder, Bach. Leider haben die Sommerdürren in den Jahren 2020 bis 2022 sowie Borkenkäferbefall Spuren hinterlassen. Das Gesicht der Landschaft hat sich völlig verändert. Doch die Natur ist robust und erholt sich langsam, und ein Besuch lohnt sich wieder – gutes Schuhwerk ist empfohlen.
Diese reizvolle Tour führt uns in naturnaher Umgebung durch eines der schönsten Landschaften des Naturparks Teutoburger Wald. Vom Parkplatz am Waldrand direkt am „1 Silberbach“ starten wir zunächst Richtung Süden und erreichen unser erstes Ziel (am X10): die restaurierte Ruine einer alten „2 Schleifmühle“. Zurück am Silberbach folgen wir diesem, vorbei an der „3 Silberbachmühle“, bis kurz vor der Kattenmühle (Hermannsweg).
Das Silberbachtal, gelegen am Fuße des Velmerstot, zählt zweifellos zu den imposantesten Wanderregionen im Lipperland. Innerhalb eines tiefen Waldtals schlängelt sich der Silberbach seinen Weg unter hohen Baumkronen und über beeindruckende Sandsteinblöcke. An jenen Stellen, an denen die Sonne ihre Strahlen bis zum Talgrund sendet, schimmert der Bach silbrig. Doch der Ursprung des Namens liegt nicht in diesen glänzenden Momenten, sondern in den be-scheidenen Silberfunden, die in den Jahren um 1710 gemacht wurden. Die Ausbeute war allerdings derart gering, dass die Suche nach Silber rasch wieder aufgegeben wurde. Den wahren Reichtum des Silberbachtals bildete indes die Energie des Wassers, verbunden mit den reichlichen Vorkommen des Osningsandsteins im 17. Jahrhundert. Dies führte zur Entstehung eines regelrechten Zentrums der Industrie. Zu dieser Zeit säumten neun Mühlen den Oberlauf des Silberbachs: Drei Mühlen zum Mahlen von Getreide, zwei Walkmühlen zur Filzherstellung und Textilveredelung sowie vier Schleif-mühlen. Letztere dienten den Schmieden in der Stadt Horn zum Schärfen von Waffen und Werkzeugen. Das heutige Ausflugsziel, die „Silbermühle“, war einst das „Packhaus“, wo das Silbererz gereinigt wurde. Im Jahr 1711 wurde dieses Gebäude durch Umbauten in eine Mahlmühle verwandelt, die bald den Namen „Silbermühle“ erhielt. Die Vermahlung von Getreide fand bis ins Jahr 1927 statt, und bereits 1895 erhielt der Müller die Erlaubnis, eine Schankwirtschaft zu betreiben.
An der Kattemühle angekommen beginnen wir mit den strammen, schweißtreibenden Aufstieg. Der Velmerstot präsentiert sich mit zwei Gipfeln der „4 preußischen Velmers-tot“ und der „5 lippischen Velmerstot“ Historisch markierten die beiden Kuppen die Grenze zwischen Preußen und Lippe. Der Velmerstot wechselte im Laufe der Jahrhunderte mehrmals seinen Besitzer. Anfangs gehörte er den Grafen von Schwalenberg, die ihn an die Grafen von Sternberg weitergaben, die ihn wiederum an das Fürstentum Lippe verpfändeten.
Entgültig wurde 1816 über den Sattel zwischen den beiden Gipfeln eine Grenze gezogen. Diese Grenzziehung trug aber kulturelle und religiöse Unterschiede in sich. Während in Lippe überwiegend der protestantische Glaube vorherrschte, war in Preußenhauptsächlich der katholische Glaube präsent. Die Grenze führte zudem zu wirtschaftlichen Effekten, da Lippe über seine eigene Währung, das Lippische Pfund verfügte, welches sich vom preußischen Taler unterschied. Der Velmerstot erhielt seinen Namen von den Sachsen, abgeleitet von der nahegelegenen Ortes „Veldrom“. „Feldrom“ bedeutet Felder zu Drohme, wobei „Stot“ für Steilhang steht. Bereits um das Jahr 850 wurde das Gebiet im „Corveyer Traditionsbuch“ unter dem Namen „Drohem“ erwähnt.
Die preußische Velmerstot (464 m) war von 1964 bis 1994 eine Militärbasis und für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Nach dem Ende des Kalten Krieges verließ die Nato das Areal, welches daraufhin renaturiert und der Natur überlassen wurde. Seit 2003 ist der Gipfel für Wanderer wieder frei zugänglich. Heute steht dort ein hölzerner Aussichtsturm, der „Eggeturm“. Die lippische Velmerstot (441m) ist jedoch der schönere Berg, mit seinen felsigen Formationen, Bergheide und Blaubeerflächen und den alten Hutebäumen. Eine Orientierungstafel lenkt unseren Blick über das Lipperland hinweg zum Weserbergland, dem Köterberg, dem Solling, dem Dessenberg und den Vulkankegeln Nordhessens, wobei zahlreiche Fotomotive den Charme dieses 441 Meter hohen Berges ausmachen.
Die Bergrücken des Eggegebirges und Teutoburger Waldes bilden eine Wetter- und Klimascheide, die sich den vorherrschenden Tiefdruckgebieten, die hauptsächlich aus Westen kommen, entgegenstellen. Der Übergang vom atlantischen zum kontinentalen Klima prägt diese beeindruckende Landschaft mit ihren vielfältigen Tier- und Pflanzenlebensräumen. Der Rückweg führt über einige steile Bergabhänge mit vielen Stolpersteinen zum Aus-gangspunkt auf dem Parkplatz im Silberbachtal. Es ist dringend ratsam, stabiles Schuhwerk zu tragen und einen Wanderstock zur Unterstützung mitzunehmen.

Tourbeschreibung:
Tour / Karte als PDF
Ausgangspunkt:
Leopoldstal: Parkplatz am Waldrand in Leopoldstal direkt am Silbertal
Weglänge:
7,5 km
Gehzeit: 3 Stunden
Steigungen:
338 Höhenmeter
Gastronomie: