Vom Herforder Stiftsbesitz zum wehrhaften Flecken
Der heutige Barntruper Ortsteil Alverdissen, idyllisch im Quellgebiet der Exter im Kreis Lippe gelegen, blickt auf eine über 850-jährige dokumentierte Geschichte zurück. Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes als „Alwerdessen“ stammt aus dem Jahr 1151 aus einem Verzeichnis des Herforder Stifts. Historiker vermuten jedoch, dass die fruchtbare Region bereits zur Zeit Karls des Großen um 800 n. Chr. von Sachsen besiedelt war.
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Im 12. und 13. Jahrhundert gestalteten die Grafen von Sternberg den Ort planmäßig nach dem lippischen Dreistraßensystem. Alverdissen blühte auf und erhielt vor 1370 die Stadtrechte. Dieses städtische Glück war jedoch nicht von Dauer: Im Jahr 1424, während einer heftigen Fehde zwischen den Edelherren zur Lippe und den Grafen von Schaumburg, wurde die Siedlung samt Burg und Kapelle vollständig zerstört. Beim anschließenden Wiederaufbau verlor Alverdissen den Status der Stadt und wurde fortan als „Flecken“ (Marktflecken) geführt – eine Bezeichnung, die der Ort fast 600 Jahre lang stolz behalten sollte.
Residenzort und Geburtsstunde eines Fürstenhauses
Zu Beginn des 17. Jahrhunderts erlangte der Flecken geopolitische Bedeutung. Im Jahr 1613 erhielt Graf Philipp, der jüngste Sohn des lippischen Grafen Simon VI., das Amt Alverdissen als Paragium (einen teilunabhängigen Wohn- und Altsitz). Philipp begründete damit die Linie Lippe-Alverdissen. Als er später die Grafschaft Holstein-Schaumburg erbte, legte er von Alverdissen aus den Grundstein für das spätere Fürstenhaus Schaumburg-Lippe.
Unter der Regentschaft dieser Nebenlinie wurde die zerstörte Burg durch das bis heute prägende Schloss Alverdissen ersetzt. Der barocke Dreiflügelbau mit markantem Treppenturm entstand in den Jahren 1662/63. Nahe der evangelisch-reformierten Kirche zeugt zudem ein 1723 errichtetes Mausoleum von der gräflichen Vergangenheit, in dem neun Mitglieder der Familie ihre letzte Ruhe fanden.
Der Weg in die Moderne
Die gräfliche Residenzzeit endete 1777, als die Alverdisser Linie die Hauptnachfolge in Bückeburg antrat. Im Jahr 1812 kaufte die berühmte lippische Fürstin Pauline das Schloss und den Flecken für 52.000 Reichstaler für das Haus Lippe zurück. In der Folgezeit zog neues Leben in die historischen Mauern: Von 1879 bis 1969 beherbergte das Schloss das Amtsgericht, später eine Außenstelle des Staatsarchivs.
Das Jahr 1969 brachte eine tiefgreifende Zäsur: Im Zuge der nordrhein-westfälischen Kommunalreform verlor der traditionsbewusste Flecken seine politische Selbstständigkeit und wurde in die Stadt Barntrup eingegliedert. Heute besticht Alverdissen durch seinen historischen Ortskern mit denkmalgeschützten Fachwerk-Dielenhäusern und bewahrt stolz sein reiches, gräfliches Erbe.
Burg Sternberg
Die Geschichte der Burg Sternberg (bis 1900)
Gegründet wurde die Burg Sternberg vermutlich um das Jahr 1240 durch die Grafen von Schwalenberg, die sich später nach ihrer neuen Residenz „Grafen von Sternberg“ nannten. Strategisch klug auf einem exponierten Bergrücken erbaut, sicherte die Anlage wichtige Handelswege zwischen der Weser und dem lippischen Hinterland.
Lange währte die Herrschaft des Gründergeschlechts jedoch nicht: Geldnot zwang Graf Heinrich V. im Jahr 1405 dazu, die Burg und die dazugehörige Grafschaft an die Edelherrn zur Lippe zu verpfänden. Da das Pfand nie eingelöst wurde, ging die Anlage dauerhaft in den Besitz des Hauses Lippe über.
In den folgenden Jahrhunderten verlor die Burg zunehmend ihre militärische Bedeutung als Festung. Sie diente stattdessen als Amtssitz für die Verwaltung der umliegenden Dörfer und als gräfliches Jagdschloss. Im Dreißigjährigen Krieg wurde sie zwar belagert, entging aber im Gegensatz zu vielen Nachbarburgen einer völligen Zerstörung.
Gegen Ende des 18. und im Verlauf des 19. Jahrhunderts verfiel die Anlage zusehends, da sie als reiner Verwaltungssitz kaum noch modernisiert wurde. Erst um das Jahr 1900 endete die Epoche der landesherrlichen Nutzung, und die Burg ging in den Besitz des neu gegründeten Lippischen Landesverbandes über, was den Grundstein für ihre spätere Rettung legte.




