Composing

Wenn aus einzelnen Fotografien eine neue Bildwelt entsteht

Wie ich separat fotografierte Bildelemente mithilfe Künstlicher Intelligenz zu einer neuen Bildkomposition zusammenfüge.

Die Fotografie hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Digitale Bildbearbeitung und insbesondere die Entwicklung Künstlicher Intelligenz eröffnen heute gestalterische Möglichkeiten, die weit über die klassische Fotografie hinausgehen. Eine Technik, die mich dabei besonders fasziniert, ist das Composing. Darunter verstehe ich das gezielte Zusammenfügen mehrerer, zuvor unabhängig voneinander fotografierter Bildelemente zu einer neuen, in sich stimmigen Bildkomposition. Die KI unterstützt mich dabei, aus einzelnen fotografischen Aufnahmen eine gemeinsame Bildgeschichte entstehen zu lassen.

Dabei geht es mir nicht darum, mit möglichst vielen Effekten zu beeindrucken. Vielmehr möchte ich eine Bildidee verwirklichen, die mit einer einzelnen Aufnahme nicht oder nur schwer umzusetzen wäre. Aus verschiedenen fotografischen Bausteinen entsteht etwas Neues, das Realität und künstlerische Vorstellung miteinander verbindet.

Die Bildidee steht am Anfang

Jedes Composing beginnt für mich mit einer Vorstellung. Ich überlege, welche Geschichte das spätere Bild erzählen soll, welche Atmosphäre ich erzeugen möchte und welche Elemente dafür notwendig sind. Manchmal ist es eine geheimnisvolle Waldszene, in der ein Tier zwischen Pilzen und Moosen auftaucht. Ein anderes Mal möchte ich eine natürliche Umgebung um ein bestimmtes Motiv herum gestalten oder mehrere fotografische Eindrücke zu einer ungewöhnlichen Landschaft verbinden.

Aus dieser ersten Idee entwickelt sich ein gedanklicher Bildaufbau. Ich stelle mir vor, wo die einzelnen Elemente später ihren Platz finden sollen und welche Größenverhältnisse, Perspektiven und Lichtverhältnisse erforderlich sind.

Vorbereitung: Jedes Element zählt

Bevor ich mit der eigentlichen Bildgestaltung beginne, fotografiere ich die benötigten Motive einzeln. Das können Pflanzen, Pilze, Insekten, Tiere, Äste, Blätter oder ganze Landschaftsausschnitte sein. Jedes Element wird zunächst als eigenständige Aufnahme festgehalten.

Schon beim Fotografieren achte ich darauf, dass die Bilder später miteinander harmonieren. Besonders wichtig sind Lichtführung, Aufnahmewinkel, Perspektive und Schärfentiefe. Ein Motiv, das später im Vordergrund stehen soll, muss beispielsweise hinsichtlich seiner Größe und Blickrichtung zur geplanten Umgebung passen.

Diese Vorbereitung entscheidet wesentlich darüber, ob das fertige Bild glaubwürdig wirkt. Auch die sorgfältige Auswahl der Ausgangsaufnahmen gehört deshalb zu meiner fotografischen Arbeit.

Die KI als kreatives Werkzeug

Sind alle Bildelemente vorhanden, beginnt die eigentliche Montage. Hier nutze ich KI-gestützte Bildbearbeitungsprogramme, die mich bei verschiedenen Arbeitsschritten unterstützen. Dazu gehören das Freistellen von Motiven, das Erkennen von Konturen, die Erstellung von Masken und die Anpassung einzelner Bildbereiche.

Die KI kann dabei zeitaufwendige Arbeitsschritte erheblich erleichtern. Dennoch übernimmt sie nicht die gesamte Bildgestaltung. Welche Elemente zusammengeführt werden, wo sie erscheinen und welche Wirkung das fertige Bild entfalten soll, entscheide weiterhin ich.

Besonders wichtig ist die Anpassung der einzelnen Bestandteile aneinander. Helligkeit, Farbtemperatur, Kontrast und Schatten müssen zusammenpassen. Ein eingefügtes Tier darf nicht wie ein Fremdkörper wirken, sondern muss sich glaubwürdig in seine Umgebung einfügen. Auch Größenverhältnisse und räumliche Tiefe spielen eine entscheidende Rolle.

Zwischen Fotografie und künstlerischer Freiheit

Mit jeder weiteren Bearbeitungsschritt entwickelt sich das Bild. Manchmal verändert sich die ursprüngliche Idee, weil eine andere Anordnung der Elemente eine bessere Bildwirkung erzielt. Ich probiere unterschiedliche Positionen aus, verändere Größenverhältnisse und passe die Lichtstimmung an.

Gerade darin liegt für mich der besondere Reiz dieser Arbeitsweise: Ich bin nicht mehr ausschließlich an den Augenblick gebunden, in dem ich den Auslöser meiner Kamera betätige. Ich kann verschiedene fotografische Situationen miteinander verbinden und daraus eine neue visuelle Wirklichkeit schaffen.

Meine persönliche Sicht auf das Composing

Für mich ist Composing eine eigenständige Form fotografischer Gestaltung. Die einzelnen Motive stammen aus meiner eigenen Kamera und haben jeweils ihren Ursprung in einer realen fotografischen Begegnung. Erst durch die spätere Kombination entsteht eine Bildwelt, die es in dieser Form möglicherweise nie gegeben hat.

Dabei ist mir wichtig, zwischen einer dokumentarischen Naturaufnahme und einem künstlerischen Composing zu unterscheiden. Ich möchte keine Naturdokumentation vortäuschen, sondern meine gestalterische Absicht sichtbar machen.

Die Künstliche Intelligenz ersetzt für mich weder das Fotografieren noch die eigene Kreativität. Sie erweitert vielmehr meinen Werkzeugkasten. Entscheidend bleibt die Bildidee, der fotografische Blick und das Gespür für eine überzeugende Komposition.

Am Ende steht nicht die Frage, ob jedes Detail tatsächlich zur gleichen Zeit am gleichen Ort existiert hat. Entscheidend ist für mich, ob aus den einzelnen Aufnahmen ein stimmiges Bild entsteht, das den Betrachter zum Schauen, Entdecken und Nachdenken einlädt.