Ein gutes Foto entsteht für mich nicht am Reißbrett, sondern im Moment des Treffens zwischen Augenblick und Haltung. Wenn ich mit meiner Kamera durch die Gegend streife, überlasse ich den ersten Schritt bewusst dem Zufall. Ich plane keine Szenerie, ich suche sie nicht krampfhaft. Ich lasse mich treiben, bis mich eine Struktur, eine Farbe oder eine Lichtstimmung anspringt. In dieser ziellosen Freiheit liegt der eigentliche Reiz des Herumstreifens: Die Welt zeigt Details, die im Alltag unsichtbar bleiben, weil die meisten Menschen blind an ihnen vorbeigehen.
Das, was ich vor die Linse bekomme, nehme ich radikal aus seinem gewohnten Zusammenhang heraus. Ein Stück verrostetes Blech an einer alten Scheune oder eine abgeblätterte Farbschicht an einer verlassenen Werkstatt verlieren durch den Ausschnitt ihre ursprüngliche Funktion. Sie werden zu reinen Farbflächen, Linien und Texturen. Genau deshalb würde ich meine Arbeiten am ehesten der Straßenkunst zuordnen. Es geht mir um die grafische Wucht des Verfalls, um die Spuren, die Menschen und Zeit hinterlassen haben, ohne dass ein Mensch selbst im Bild sein muss.
Meine Motive finde ich dort, wo der Lauf der Dinge seine Spuren hinterlässt. Graffitis an alten Mauern, die Patina verrosteter Gegenstände, aber eben auch die stillen, oft übersehenen Wunder der Natur. Moos, das sich über Beton schiebt, die knorrige Rinde alter Bäume oder winzige Flechten auf Totholz bieten dieselbe abstrakte Ästhetik wie vom Menschen geschaffene Oberflächen. Für mich greifen Natur und urbaner Verfall nahtlos ineinander. Beide erzählen Geschichten von Vergänglichkeit, von Struktur und von einer rauen Schönheit, die man entdecken will.
Menschen hingegen tauchen in meinen Bildern praktisch nicht auf. Das hat einen sehr pragmatischen und persönlichen Grund: Ich scheue die Konfrontation. Die rechtlichen Hürden rund um das Recht am eigenen Bild sind im öffentlichen Raum komplex und mühsam. Doch noch schwerer wiegt das emotionale Moment. Es gibt immer wieder Menschen, die misstrauisch reagieren, sich gestört fühlen oder aggressiv werden, wenn sie eine Kamera auf sich gerichtet sehen. Diese Auseinandersetzungen brauche und will ich nicht. Die Fotografie ist mein Rückzugsort, meine Art der Entspannung und Meditation. Streit auf der Straße passt schlicht nicht zu diesem Ausgleich.
Ein gutes Foto ist für mich also das Resultat einer friedlichen Annäherung an das Unbelebte. Es braucht dafür keine inszenierten Posen und keine menschliche Mimik. Die Seele eines Bildes liegt in der Stille des Materials, in der Textur einer alten Wand oder im perfekten Zusammenspiel von Licht und Schatten auf Moos. Wenn ein Betrachter stehen bleibt, weil ihn die grafische Komposition fesselt und er im ersten Moment vielleicht gar nicht erkennt, worum es sich handelt, dann hat das Foto genau das erreicht, was ich mir wünsche: Es schenkt einem übersehenen Detail die Aufmerksamkeit, die es verdient.
Datum 9.09.2026 – Hinweis: Dieser Text wurde mithilfe einer Künstlichen Intelligenz (KI) generiert und anschließend redaktionell geprüft.






















