Kloster Ullenhausen

Von Kloster zu Rittergut im Extertal

Im Nordosten des lippischen Berglandes, eingebettet in die hügelige Kulturlandschaft nahe Barntrup-Alverdissen und heute zur Gemeinde Extertal gehörend, liegt ein geschichtsträchtiger Ort: Gut Ullenhausen. Auch wenn der Name im Volksmund gelegentlich falsch als „Kloster Uhlenhausen“ bezeichnet wird, verbirgt sich hinter den alten Mauern eine faszinierende Chronik, die von um 1240 bis in die Gegenwart reicht.

Die klösterlichen Ursprünge im Mittelalter

Die Wurzeln des Anwesens liegen nicht im 15. Jahrhundert, sondern in um 1240, als hier ein Benediktinerinnenkloster gegründet wurde. Ursprünglich als klösterliche Niederlassung gedacht, diente die Anlage Ordensfrauen als Ort der Einkehr und der harten landwirtschaftlichen Arbeit. Die Nonnen nutzten die abgeschiedene, aber wasserreiche Lage im oberen Extertal, um autark zu leben und die umliegenden Wälder und Felder urbar zu machen.

Lange währte die rein geistliche Ära jedoch nicht. Noch im Laufe des 15. Jahrhunderts wurde das Kloster wieder aufgelöst. Die genauen Gründe sind wie bei vielen kleinen Konventen der Region in einer Mischung aus wirtschaftlichen Schwierigkeiten und den unruhigen Zeiten jener Epoche zu suchen. Nach dem Auszug der Ordensgemeinschaft verfielen die ursprünglichen Klostergebäude zusehends. Das verbliebene Anwesen ging zunächst in den Besitz der Augustiner-Eremiten in Herford über, bevor ein neues Kapitel aufgeschlagen wurde.

Der Wandel zum lippischen Rittergut

Der entscheidende landwirtschaftliche und architektonische Strukturwandel vollzog sich im 16. Jahrhundert. Graf Simon V. zur Lippe zog das ehemalige Klostergelände an sich und übertrug es als Lehen an die einflussreiche Adelsfamilie Werpup, die ihre Wurzeln im nahegelegenen Flecken Alverdissen hatte. Damit war Gut Ullenhausen geboren.

Die Familie Werpup prägte den Ort über fast anderthalb Jahrhunderte (von 1557 bis 1700). Sie machten aus den verfallenen Klosterresten einen florierenden landwirtschaftlichen Großbetrieb und einen repräsentativen Herrensitz. Im Jahr 1596 errichteten sie das bis heute erhaltene Hauptgebäude – auf den Fundamenten des Benediktinerinnenklosters von um 1240.

Architektonische Besonderheiten

Das Herrenhaus besticht durch einen mächtigen, wehrhaften Unterbau aus Bruchsteinen mit tief sitzenden Pfostenfenstern. Erst im 19. Jahrhundert wurden der rückwärtige Giebel und Teile der Hoffront mit dem regionaltypischen Fachwerk versehen, was dem Bau seinen heutigen, malerischen Charakter verleiht.

Gegenüber des Haupthauses entstand in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ein markantes Speichergebäude – ebenfalls als harmonische Kombination aus Bruchstein und Fachwerk konzipiert. Ein späterer Fachwerkstall aus dem Jahr 1746 komplettiert den geschlossenen Charakter des historischen Wirtschaftshofes.

Wechselnde Allianzen und der Weg in die Moderne

Nach der Ära derer von Werpup erlebte das Gut eine wechselvolle Geschichte mit verschiedenen namhaften Eigentümern:

ZeitraumBesitzer
1704–1798Familie des königlich-großbritannischen Hauptmanns von Alten
1798–1937Familie Cordemann (führt den Betrieb durch das 19. Jahrhundert und die Umbrüche des frühen 20. Jahrhunderts)
Ab 1937Heinrich Braband; bis heute im Privatbesitz seiner Nachfahren, die den Boden weiterhin aktiv bewirtschaften

Ein lebendiges Baudenkmal

Heute stehen sowohl das Hauptgebäude als auch das Speichergebäude des Gutes unter strengem Denkmalschutz. Sie gelten als herausragende Zeugnisse der ländlichen Bau- und Herrschaftskultur im lippisch-weserländischen Raum.

Da sich das Anwesen in Privatbesitz befindet und aktiv landwirtschaftlich genutzt wird, ist eine Innenbesichtigung nicht möglich. Dennoch lohnt sich für Historiker und Wanderer ein Blick von den vorbeiführenden Wegen im Extertal: Das Ensemble aus trutzigem Stein und kunstvollem Fachwerk erzählt auch nach fast 800 Jahren noch still von seiner Wandlung vom asketischen Benediktinerinnenkloster zum stolzen Rittergut.