Die Grafschaft Lippe gehörte in der Frühen Neuzeit zu den Regionen, in denen es zu einer besonders intensiven Hexenverfolgung kam. Während die Nachbarstadt Lemgo unter dem berüchtigten „Hexenbürgermeister“ Hermann Cothmann traurige Bekanntheit erlangte, blieb auch das kleine Ackerbürgerstädtchen Barntrup nicht verschont. Zwischen 1657 und 1660 kam es dort zu mehreren Hexenprozessen, die tiefe Spuren in der Stadtgeschichte hinterließen.
Der Hintergrund der Verfolgung
Die Hexenverfolgung in Barntrup war kein Phänomen des Mittelalters, sondern der Frühen Neuzeit. Missernten, Seuchen, die wirtschaftlichen Belastungen des Dreißigjährigen Krieges und ein tief verwurzelter Teufelsglaube prägten das Denken vieler Menschen. Wenn das Vieh starb, Lebensmittel verdarben oder Unglücke geschahen, suchte man die Ursachen nicht selten bei vermeintlichem Schadenzauber.
In dieser Atmosphäre konnten Gerüchte, persönliche Konflikte und gegenseitige Verdächtigungen schnell schwerwiegende Folgen haben. Denunziationen, Nachbarschaftsstreitigkeiten und der Verfolgungseifer der Obrigkeit verstärkten sich dabei gegenseitig. So kam es zu einer Dynamik, in der Anschuldigungen immer neue Verfahren nach sich zogen.
Die Opfer der Prozesse
Die Quellen nennen für Barntrup mehrere Opfer der Hexenverfolgung. Unter ihnen waren vor allem Frauen, aber auch ein Mann geriet in die Fänge der Justiz. Damit zeigt sich, dass die Verfolgung nicht nur Randfiguren traf, sondern Menschen aus unterschiedlichen sozialen Schichten.
Zu den bekanntesten namentlich überlieferten Fällen gehört Claren Düvels, die als eines der frühen Opfer der Barntruper Prozesse gilt. Auch andere Betroffene wurden aufgrund von Gerüchten, Verdächtigungen oder unter Folter erzwungener Aussagen beschuldigt. In solchen Verfahren war ein Geständnis oft von zentraler Bedeutung.
Das Verfahren
Die Hexenprozesse folgten einem harten juristischen Muster. Nach einer Anzeige oder Verdächtigung kam es zur Verhaftung, anschließend oft zur sogenannten gütlichen Befragung. Blieb das erhoffte Geständnis aus, konnte die peinliche Befragung folgen, also die Folter.
Unter diesem Druck gaben Angeklagte häufig Aussagen ab, die sie ohne Zwang kaum gemacht hätten. Dabei wurden nicht selten weitere Personen belastet, wodurch sich die Verfolgung wie in einer Kettenreaktion ausweitete. Am Ende standen häufig Todesurteile, die in der Regel mit dem Verbrennen auf dem Scheiterhaufen vollstreckt wurden.
Erinnerung heute
Heute erinnert Barntrup an dieses dunkle Kapitel seiner Geschichte. Im Rahmen des Barntruper Kunstpfads befinden sich Kunstobjekte an verschiedenen Stationen im Stadtgebiet. Solche Werke setzen auch ein Zeichen gegen Ausgrenzung, Verfolgung und Unrecht.
Die Hexenprozesse von Barntrup mahnen bis heute, wie schnell Angst, Verdächtigungen und Vorurteile eine Gemeinschaft zerstören können. Sie gehören zu den bedrückendsten Kapiteln der regionalen Geschichte.