Wandervorschlag: Tour zu den Wasserfällen
Fotos: Magie des Wassers
Das Extertal: Wo Eiszeit-Riesen auf verborgene Kaskaden treffen
Wer an die großen deutschen Mittelgebirge denkt, hat meist den Harz, den Schwarzwald oder das Sauerland vor Augen. Doch eingebettet in eine sanfte, aber charakterstarke Kulisse liegt ein echter Geheimtipp für Naturerlebnisse: die Gemeinde Extertal. Geografisch perfekt positioniert zwischen den waldreichen Höhenzügen des Weserberglandes und den geschichtsträchtigen Ausläufern des Teutoburger Waldes, bietet diese Region eine Landschaft, die von den extremen Kräften der Erdgeschichte geformt wurde. Ihren Namen verdankt die Gemeinde der „Exter“, einem beschaulichen, kleinen Fluss, der sich gemächlich durch das Tal schlängelt, bis er schließlich im nahegelegenen Rinteln in die Weser mündet.
Die Spuren der Eiszeit: Zeugen aus Skandinavien
Die Topografie des Extertals ist kein Zufallsprodukt, sondern das Resultat gewaltiger Naturphänomene. Während der Saale-Eiszeit schoben sich gigantische Gletschermassen aus dem skandinavischen Raum weit nach Süden vor und walzten das Land platt, stauchten Hügel auf und hinterließen nach ihrem Rückzug bleibende Spuren. Das faszinierendste Erbe dieser Epoche sind die sogenannten Extertaler Findlinge.
Diese tonnenschweren Riesen aus Granit oder Gneis wurden vom Eis über hunderte Kilometer hinweg transportiert. Wenn man heute beim Wandern auf einen dieser monumentalen Brocken stößt, blickt man direkt in die tiefe Vergangenheit unseres Planeten. Sie wirken in der idyllischen Landschaft fast deplatziert und verleihen den Wäldern und Feldern der Gemeinde eine geheimnisvolle, beinahe mystische Atmosphäre.
Ein Netz aus Wasser: Die vier Wasserfälle des Extertals
Neben den eiszeitlichen Relikten ist das Extertal vor allem durch seinen Wasserreichtum geprägt. Unzählige kleine Bäche adeln die Region zu einem Paradies für Entdecker. Was viele Besucher nicht wissen: Das Extertal beherbergt gleich vier kleine Wasserfälle, die man in dieser Dichte in der norddeutschen Tiefebene oder den angrenzenden Mittelgebirgen kaum vermuten würde. Sie sind zwar nicht mit den Kaskaden der Alpen zu vergleichen, versprühen aber einen ganz eigenen, wildromantischen Charme.
Das bekannteste und spektakulärste Wasserschauspiel bietet der Rickbach-Wasserfall im Ortsteil Bremke. Mit einer Fallhöhe von rund vier Metern gilt er als der imposanteste Wasserfall der Region. Wer ihn in seiner vollen Pracht erleben möchte, sollte nach starken Regenfällen oder während der Schneeschmelze im Frühjahr anreisen. Dann verwandelt sich der sonst eher ruhige Rickbach in einen tosenden Strom, der schäumend über die Gesteinskanten in die Tiefe stürzt – ein beeindruckendes Naturschauspiel und ein begehrtes Fotomotiv.
Doch der Rickbach ist nicht allein. Nur ein Stück weiter verbirgt sich der Fahrenbach-Wasserfall, der ebenfalls eine respektable Höhe von vier Metern erreicht und sich malerisch in die umliegende Waldlandschaft einfügt. Wer es noch etwas höher, wenn auch intimer mag, sucht den Hilkersiek-Wasserfall auf. Mit stolzen sechs Metern Fallhöhe ist er rein rechnerisch der höchste Wasserfall des Extertals. Allerdings führt der speisende Bach meist nur wenig Wasser, sodass sich das Nass eher wie ein sanfter, silberner Schleier über die Felsen legt – ein stiller Ort der Einkehr. Komplettiert wird das Quartett durch den Höllbach-Wasserfall, der fünf Meter in die Tiefe stürzt und seinem dramatischen Namen mit einer wilden, dicht bewachsenen Umgebung alle Ehre macht.
Ein Paradies für sanften Tourismus
Das Extertal zeigt eindrucksvoll, dass man für spektakuläre Geologie und rauschende Wasserläufe nicht weit reisen muss. Es ist ein Ort für Entdecker, die abseits der großen Touristenströme wandern, die Stille der Natur genießen und die Geheimnisse einer von Gletschern geformten Landschaft entschlüsseln wollen. Ob auf den Spuren der eiszeitlichen Findlinge oder beim Aufspüren der versteckten Wasserfälle – das Extertal ist ein lebendiges Heimatmuseum der Natur.