Fossilien

Schätze aus dem Urmeer: Die fossilen Wunder des Alverdisser Steinbruchs

Wer heute durch das lippische Bergland bei Barntrup wandert, sieht sanfte Hügel, Wälder und Felder. Doch vor etwa 240 Millionen Jahren lag hier eine ganz andere Welt: Statt Festland bedeckte ein warmes, flaches Meer die Region, das zur Zeit der Trias zum Germanischen Becken gehörte. Genau dort, wo sich heute der ehemalige Steinbruch Alverdissen befindet, wurden über Jahrzehnte Kalksteine abgebaut, die einen außergewöhnlichen Blick in diese ferne Vergangenheit erlauben.

Der Steinbruch galt lange als eine der spannendsten Fossilienfundstellen der Region. Denn in den grauen Kalkschichten schlummern die Überreste eines urzeitlichen Meereslebens: Muscheln, Brachiopoden und besonders viele Ceratiten, also Verwandte der Ammoniten mit ihren kunstvoll gewundenen Gehäusen. Einige Arten, etwa Myophoria vulgaris oder Plagiostoma striatum, treten hier in dichten Lagen auf. Solche Fossilienansammlungen entstanden oft, wenn Stürme die Meeresböden aufwühlten und die Schalen zu regelrechten Schillbänken zusammenfegten.

Der eigentliche Star von Alverdissen ist jedoch die Seelilie Encrinus liliiformis. Trotz ihres schönen Namens ist sie keine Pflanze, sondern ein Tier aus der Verwandtschaft von Seesternen und Seeigeln. Mit ihrem langen Stiel, dem kelchförmigen Körper und den feinen Fangarmen wirkte sie fast wie eine steinerne Blume im Meer. Ihre Stielglieder finden sich häufig im Muschelkalk, doch vollständige Kronen sind seltene Kostbarkeiten.

Gerade deshalb ist Alverdissen so berühmt: Hier wurden Seelilien-Kronen und sogar ganze Platten mit Massenfunden entdeckt, die zeigen, wie reich dieses tropische Flachmeer einst war. Einige außergewöhnlich gut erhaltene Stücke belegen, wie rasch die Tiere einst von Schlamm bedeckt wurden und dadurch für die Nachwelt erhalten blieben. Solche Funde machen den Steinbruch zu einem Fenster in eine Welt, die längst verschwunden ist — und doch im Gestein bis heute weiterlebt.

Heute ist der Steinbruch stillgelegt und aus Sicherheits- und Naturschutzgründen nicht einfach zugänglich. Doch die Fossilien, die hier geborgen wurden, sind erhalten geblieben und erzählen noch immer von einer Zeit, in der dort, wo heute Wälder und Felder liegen, ein tropisches Meer rauschte.