Ein Blick in die lippische und regionale Geschichte um 1424 zeigt, dass diese Zeit von heftigen Territorialkonflikten geprägt war. Für die Zerstörung von Alverdissen kommt nach der Überlieferung vor allem die lippisch-schaumburgische Fehde in Betracht.
Alverdissen gehörte zur Grafschaft Sternberg, die im frühen 15. Jahrhundert an die Edelherren und späteren Grafen zur Lippe gelangt war. Damit lag der Ort in einem Grenzraum, der immer wieder von Machtansprüchen und militärischen Auseinandersetzungen betroffen war.
Die wahrscheinlichste Ursache für die Zerstörung ist ein Angriff schaumburgischer Truppen im Rahmen des Konflikts mit Lippe. Die Grafen von Schaumburg erhoben seit Langem Ansprüche auf das Sternberger Erbe und versuchten offenbar, ihre verlorenen Rechte mit Gewalt wieder geltend zu machen. In diesem Zusammenhang wurde Alverdissen 1424 zerstört, vermutlich als strategisch wichtiger lippischer Stützpunkt an der Grenze zu Schaumburg.
Weniger wahrscheinlich sind andere Erklärungen wie ein Angriff durch Truppen des Erzbistums Köln oder des Bistums Paderborn. Für eine direkte Beteiligung dieser Kräfte an der Zerstörung von Alverdissen gibt es in diesem Zusammenhang keine ebenso klare Grundlage. Auch allgemeine Hinweise auf „Raubritter“ oder lokale Adelsfehden bleiben eher spekulativ, solange keine konkreten Belege vorliegen.
Zusammenfassend spricht am meisten dafür, dass Alverdissen Opfer des lippisch-schaumburgischen Konflikts wurde. Die Zerstörung fügt sich damit in die größere Geschichte regionaler Fehden und Herrschaftskämpfe des frühen 15. Jahrhunderts ein.