Der berühmteste Gegner Karls des Großen
Widukind, auch Wittekind genannt, ist die bekannteste Gestalt des sächsischen Widerstands gegen Karl den Großen. Er lebte im späten 8. Jahrhundert und wurde später vor allem in Westfalen zu einer historischen und sagenhaften Symbolfigur. Über seine Person wissen wir nur wenig mit Sicherheit; vieles, was sich um ihn rankt, ist erst in der späteren Überlieferung entstanden.
Der sächsische Widerstand
Widukind stammte vermutlich aus einem westfälischen Adelsgeschlecht. Als Karl der Große 772 mit den Sachsenkriegen begann, geriet das sächsische Stammesgebiet zunehmend unter fränkischen Druck. Die Kämpfe waren nicht nur ein militärischer Konflikt, sondern standen auch im Zusammenhang mit der Unterwerfung und Christianisierung der Sachsen.
Widukind trat in dieser Zeit als einer der wichtigsten Anführer des Widerstands hervor. Er steht für den Teil des sächsischen Adels, der sich der fränkischen Herrschaft nicht früh unterwarf. Als Karl 777 in Paderborn einen Reichstag abhielt, blieb Widukind fern; er hatte sich ins Gebiet der Dänen zurückgezogen, um neue Bündnisse zu suchen.
Kampf und Gegenwehr
Widukind und seine Anhänger setzten weniger auf offene Feldschlachten als auf beweglichen, zähen Widerstand. Immer wieder, wenn Karl der Große mit seinem Hauptheer abgezogen war, brachen in Sachsen neue Aufstände aus. Fränkische Einrichtungen wurden angegriffen, Missionare vertrieben und kirchliche Stützpunkte zerstört.
Ein Höhepunkt der Auseinandersetzungen war die Schlacht am Süntel im Jahr 782, in der sächsische Truppen ein fränkisches Heer schwer schlugen. Karls Reaktion war hart: Im Zusammenhang mit dem sogenannten Blutgericht von Verden sollen 4.500 Sachsen hingerichtet worden sein. Die Zahl ist aus den Quellen überliefert, wird in der Forschung aber diskutiert.
Die Taufe von 785
785 kam es zu einem Wendepunkt. Widukind unterwarf sich Karl dem Großen und ließ sich taufen. Die Taufe fand in Attigny statt; Karl übernahm dabei nach der Überlieferung die Rolle des Taufpaten. Damit endete Widukinds offener Widerstand gegen die fränkische Herrschaft.
Die Taufe bedeutete nicht sofort Frieden im ganzen sächsischen Raum, markierte aber einen entscheidenden Schritt in der Durchsetzung fränkischer Macht und in der weiteren Christianisierung Sachsens.
Zwischen Geschichte und Legende
Nach seiner Taufe verliert sich Widukinds Spur in den zeitgenössischen Quellen. Wahrscheinlich lebte er danach als christlicher Adliger weiter, doch sichere Angaben dazu gibt es nicht. Spätere Überlieferungen machten ihn zu einer Art Gründungsfigur Westfalens.
Besonders bekannt ist die Tradition um sein Grab in der Stiftskirche zu Enger. Ob Widukind dort tatsächlich bestattet wurde, ist historisch nicht belegt; das Grabmal ist vor allem Ausdruck der späteren Verehrung. Auch zahlreiche Sagen knüpfen sich an seinen Namen, etwa Erzählungen über wundersam entstandene Quellen oder seine Verbindung zum weißen Sachsenross, das heute in den Wappen von Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen erscheint.
Ein bleibender Mythos
Widukind ist damit weniger als exakt fassbare Einzelperson wichtig denn als historische und symbolische Figur. Er steht für den sächsischen Widerstand gegen die fränkische Expansion, für den Wandel von heidnischer Stammeswelt zu christlich geprägter Ordnung und für die spätere mythische Überhöhung einer frühen Mittelaltergestalt.
Sein Name hat deshalb bis heute einen festen Platz im historischen Gedächtnis Westfalens.