Varusschlacht

Die Varusschlacht – Schlacht im Teutoburger Wald (9 n. Chr.)

Die Varusschlacht (auch bekannt als Schlacht im Teutoburger Wald) im Jahr 9 n. Chr. ist einer der dramatischsten Wendepunkte der europäischen Geschichte. Sie besiegelte das Ende der römischen Expansionspläne in Germanien und zog eine dauerhafte Grenze zwischen der römischen Zivilisation und den germanischen Stämmen. Der Schlachtort ist archäologisch wahrscheinlich in Kalkriese identifiziert, bleibt jedoch wissenschaftlich umstritten.

Die Ausgangslage

Um die Zeitenwende hatte das Römische Reich unter Kaiser Augustus seine Macht durch Vorstöße von Drusus bis an die Elbe ausgedehnt. Kaiser Augustus plante die Einrichtung einer Provinz Germania bis zur Elbe, doch die tatsächliche römische Kontrolle war begrenzt. Das Gebiet schien weitgehend befriedet, obwohl bereits Aufstände (z. B. der dalmatinische Aufstand 6–9 n. Chr.) stattfanden.

Im Jahr 7 n. Chr. wurde Publius Quinctilius Varus zum Statthalter der neuen Provinz Germanien ernannt. Varus beging jedoch einen entscheidenden Fehler: Er behandelte das freie Germanien wie eine längst unterworfene, steuerpflichtige Provinz und unterschätzte den tiefen Freiheitsdrang der Stämme. Varus führte Steuereintreibung und römische Rechtsprechung ein.

An seiner Seite stand Arminius (später im Deutschen „Hermann“ genannt), ein junger Fürstensohn aus dem Stamm der Cherusker. Arminius wurde um 17 v. Chr. in eine adlige Familie der Cherusker geboren, die im heutigen Nordwestdeutschland lebten. Er war als Geisel in Rom aufgewachsen, besaß das römische Bürgerrecht und war im römischen Militärwesen ausgebildet. Varus sah Arminius als Verbündeten, ignorierte Warnungen jedoch wegen bekannter Konflikte zwischen Segestes und Arminius.

Die Falle schnappt zu

Im Spätsommer des Jahres 9 n. Chr. befand sich Varus mit drei Legionen (der XVII., XVIII. und XIX. Legion), sechs Kohorten und drei Alen (Reitergeschwader, ca. 1.500 Mann) – insgesamt rund 20.000 Mann (18.000–22.000, inklusive Tross) – auf dem Rückweg aus den Sommerlagern an der Weser zu den Winterquartieren am Rhein.

Arminius inszenierte eine Nachricht über einen angeblichen lokalen Aufstand abseits der Hauptstraße. Er überredete Varus, einen Umweg durch unwegsames, dicht bewaldetes Gebiet zu nehmen, um die Rebellion niederzuschlagen. Der germanische Segestes warnte den Statthalter noch in der Nacht vor dem Verrat des Arminius. Doch Varus hielt die Warnung für eine persönliche Intrige und schlug sie in den Wind.

Kurz nach dem Aufbruch setzten sich Arminius und seine berittenen Hilfstruppen unter dem Vorwand ab, Verstärkung zu holen. Stattdessen stellten sie sich an die Spitze des germanischen Heeres.

Das dreitägige Gemetzel

Der römische Heerwurm – inklusive Tausenden von Frauen, Kindern und Trossknechten – zog sich kilometerlang durch das dichte Unterholz. Genau hierauf hatte Arminius gewartet. Das Gelände machte die gefürchtete, starre Schlachtordnung der Römer nutzlos.

Bei strömendem Regen und aufgepeitschtem Sturm griffen die Germanen aus dem Hinterhalt an. Sie nutzten die Taktik der Nadelstiche: Schnelle Angriffe aus dem Wald, gefolgt von sofortigem Rückzug. Die Römer erlitten schwere Verluste, konnten sich aber am ersten Abend mühsam in ein befestigtes Lager retten.

Am zweiten und dritten Tag setzte sich das Drama fort. Der Boden war aufgeweicht, die Schilde der Römer vollgesogen mit Wasser und unbrauchbar schwer. Die genaue Tagesanzahl der Schlacht ist nicht sicher überliefert. Am verhängnisvollsten wurde die Lage an einem Engpass: Auf der einen Seite ein steiler Hang, auf der anderen ein unpassierbares Moor. Die Germanen hatten dort eine lange Wallanlage aus Erde und Holz errichtet, von der aus sie die vorbeiziehenden Römer gnadenlos attackierten.

Das Ende und die Folgen

Als Varus erkannte, dass alles verloren war, stürzte er sich in sein eigenes Schwert, um der Gefangenschaft und Schande zu entgehen. Die meisten seiner Offiziere taten es ihm gleich. Die drei Legionen wurden fast vollständig aufgerieben; die Adler, die heiligen Feldzeichen Roms, fielen in die Hände der Germanen.

Als Kaiser Augustus in Rom von der Katastrophe erfuhr, soll er monatelang in tiefer Trauer durch seinen Palast gewandert sein, sich das Haar gerauft und gerufen haben:

„Quintili Vare, legiones redde!“ („Quinctilius Varus, gib mir meine Legionen wieder!“)

Dieser Ausspruch ist vom römischen Historiker Sueton überliefert.

Die Rheingrenze blieb fortan die Grenze des Römischen Reiches. Rom verzichtete dauerhaft darauf, Germanien bis zur Elbe zu einer römischen Provinz zu machen. Die Varusschlacht begründete den Mythos des Arminius – jedoch wurde dieser Mythos erst im Mittelalter und besonders im 17. Jahrhundert wiedergefunden und ideologisch genutzt. Damit veränderte die Schlacht die Landkarte Europas für immer.

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